Selbsterkenntnis und Weisheit
Jedes Samenkorn, das gesät wird, muss vergehen, ehe neues Leben daraus wächst.
Und was wir säen, ist ja nicht schon die fertige Pflanze, sondern es sind nur Körner,
Weizen zum Beispiel oder anderes Saatgut. Aus jedem Samenkorn lässt Gott eine
Pflanze wachsen, die so aussieht, wie er es geplant hat. (1.Kor 15,36 – 38)
„Ich dachte, es geht nicht mehr tiefer, aber es ging. Es ging noch tiefer, viel tiefer. Irgendwann aber war ich unten, ganz unten – endlich. Und dort erkannte ich mein kleines, strampelndes Ich, mich. Und dort unten, am tiefsten Punkt, am Umkehrpunkt, akzeptierte ich meine Grenzen und lernte ich mein wahres Ich kennen. Ich blickte nicht mehr angstvoll nach unten, denn es gab kein bodenloses Unten mehr, ich konnte erstmals nur noch nach oben sehen und dort sah ich Licht, Hoffnung, Jesus.
All mein Strampeln hatte mich immer tiefer in den Abgrund sinken lassen. Aus Festhalten wurde Verlust, verloren sein. Aus Kontrolle wurde Isolation; aus Hartnäckigkeit nervig und genervt sein. Plötzlich sah ich für einen Moment klar. Ich selbst war der Verursacher. Das reichte. Ein neuer Horizont, ein Hoffnungsschimmer. Ein Ausweg?
Was hatte ich noch zu verlieren? – Nichts! Ich konnte doch nur gewinnen, nur ein neues Leben gewinnen. Von neuer Hoffnung ermutigt, übergab ich endlich mein ICH an Jesus. Ich nahm mich nicht mehr so wichtig, aber ihn und ich spürte, dass es aufwärts ging. Jesus beflügelte mich und hob mich aus der dunklen Tiefe dem Licht entgegen. Meter für Meter wurde ich verändert und es gefiel mir. Es war gut so. Und immer mutiger ließ ich mich weiter verändern durch sein Vorbild, durch sein Wort. Das Dunkel in mir wurde hell, Schatten zu Licht, Leid zur Freude, Unruhe zu Ausgeglichenheit und Zuversicht. Der alte Adam wurde vollständig erneuert, erlöst von alten Befangenheiten, befreit aus akzeptierten Ketten, geheilt von tiefschmerzenden seelischen Verletzungen, neu gemacht für ein neues Leben.
Im Gottüberlassen, im Gottvertrauen, im folgsamen Hören, Beachten und Annehmen konnte es gelingen. Ich verlor mein selbstbezogenes, mich selbst umkreisendes ICH und fand mein liebevolles, du-bezogenes Ich. Ich wurde Licht, werde noch immer heller, Jesus immer ähnlicher.
Ich wuchs aus meinem Mist heraus und über mich hinaus. Im Mist sammelte ich Kenntnisse und Erfahrungen, die mir heute Verständnis, Erkenntnis und Nächstenliebe als Grundlage für die Gemeindearbeit geben; die mir den Mut und die Kraft geben, für Gott zu fliegen, ihm zu dienen, sein begnadigter und begnadeter Sohn zu sein.
Im Mut der Verzweiflung wagte ich, das vertraute Elend und die vertraute Umgebung zu verlassen und die unbekannte Zukunft in Hoffnung und Zuversicht so anzunehmen, wie sie sich mir Schritt für Schritt zeigte, wie sie sich mir als Gelegenheit anbot.
Und heute bin ich! Ich bin im Geist erwachsen geworden, begeistert von Gott, begeistert durch Gott, begeistert in Gott. Ich bin Licht, Licht für andere. Ich strahle; strahle durch und für ihn. Ich liebe. Ich liebe durch und für ihn – aus mir heraus. In der Liebe bin ich eng mit ihm verbunden. Nicht im Liebesgefühl, sondern in der offenen, reifen, vertrauenden, verständnisvollen Liebe des Herzens.
Ich dachte damals, es geht nicht mehr tiefer, aber es ging. Heute denke ich nicht, dass es nicht noch höher ginge, es geht. Alles fügt sich. Ich komme Gott immer näher. Ich werde Jesus immer ähnlicher, sein Geist inspiriert und durchdringt mich immer stärker. Die göttlichen Agapeliebe strömt unaufhaltbar in mich und aus mir heraus. Ich bin sanft und weich wie ein Lamm. Ich kann nicht anders. Ich will auch nicht anders, denn dafür wurde ich erschaffen. Sanftmut gegen Mutwilligkeit und Gewalt. Geduld und Verständnis gegen Hektik, Unruhe und Unfrieden. Standhaftigkeit und Gottestreue gegen Unsicherheit, Wankelmut und Zweifel. Ein Licht für andere in den Untiefen der Finsternis. Ein Licht zur Orientierung. Ein Beispiel dafür, dass es geht; dass Gott wirklich vergibt und liebt, dass Jesus wirklich heilt und verändert.
